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Bretagne

Seit ich im  Jahre 1991 das erste Mal in der Bretagne, seit jener Zeit lässt mich diese Gegend nicht mehr los. Bisher war ich viermal dort, davon zweimal mit dem Motorrad. Dabei beginnt mein Bretagneaufenthalt meistens in dem Städtchen Cancale an der Côte d`Emeraude. Diese Stadt, die auf dem linken Bild zu sehen ist, ist in vielerlei Hinsicht ein interessanter Ort, der durch seine Austern weltberühmt wurde. Ich kann mir keine besseren Einstieg in die Bretagne vorstellen, als ihn. Ein weiterer Grund ist, dass die Stadt am Anfang der Bretagne liegt und ich so früher das Ziel er- reiche als anderswo. Das ist für mich wichtig, weil ich in der Hauptreisezeit hierher komme und keinen Campingplatz gebucht habe. So habe ich mehr Zeit zum Suchen. Wenn dann das Zelt steht, fahre ich gleich zum Pointe du Grouin. Hier setze ich mich auf einen Felsen, lausche den Möwen und dem Meer, spüre die Wärme und den Wind und stimme mich auf die Bretagne ein.

Neben der reizvollen Landschaft gibt es in der Bretagne auch noch viele Zeugnisse der Megatithenkultur.  Allein für dieses Thema kann man einen mehrwöchigen Urlaub verbringen. Es gibt hier immerhin allein über 5000 Dolmen. Auf dem rechten Bild sieht man den “La Roche aux Fees”. Das Bauwerk befindet bei Essé, ca. 40 km südöstlich von Rennes. Es liegt also ca. 110 km von Cancale entfernt und kann wegen den gut ausgebauten Strassen als Tagesausflug von hier aus angesteuert werden. Einzelne Steine von dem Bauwerk sind 45 Tonnen schwer. Und wenn man bedenkt, dass das Bauwerk etwa 2500 v. Chr entstanden ist, so war das schon eine gewaltige Leistung der Erbauer.

Weiter ging die Fahrt Richtung Rosa Küste (oben links). Eigentlich wollte ich mir die Felsen im Abendrot ansehen, wenn sie so schön leuchten. Leider zeigten mir dicke Regenwolken auf der Fahrt dahin, das es wohl nichts werden würde. Daher fuhr ich zu dem meist fotografierte Haus in der Bretagne am Pointe du Chateau, das ich bis dahin noch nicht in Natur gesehen hatte. Im nachhinein muss ich aber sagen, wenn man es  nicht gesehen hat, so ist auch nicht schlimm. Interessanter auf der Fahrt dorthin war die Abbey de Beauport, die wirklich sehenswert ist. Weil das Wetter immer schlechter wurde, beschloss ich mein Zelt in Cancale wieder abzubauen und etwas

südlicher zu fahren. Auf der N12 ging es nach Morlaix und auf der D785 dann weiter Richtung Pleyben. Diese Strasse fahre ich sehr gerne. Man kommt hier an den höchsten Erhebungen der Bretagne vorbei. Der höchste Berg ist der Roc Trévezel mit 384m. Wenn man ihn besuchen will muss man aber die D785 verlassen. Mein Ziel war die zweithöchste Erhebung der Bretagne, dem Montagne St. Michel mit seinem, wenn auch leeren  Kapellchen Saint-Michel-de-Brasparts. Und weil der Berg 381m hoch ist, ist die Spitze der Kapelle der höchste Punkt der Bretagne (Ätsch!). Um den Berg war früher vor dem Bau eines Staudamms ein Moor, das als Eingang zur Hölle galt. Mit dem 1987 stillgelegten Atomkraftwerk hat das hoffentlich nichts zu tun.

Über die gruseligen Geschichten dieser Gegend und warum schwarze Hunde früher in das Moor geworfen wurden werde ich evtl. später berichten, wenn ich auch auf den Wald von Huelgoat eingehe. Aber nun ging es erstmal weiter über Châteaulin, nach Locronan (siehe Bild links). Erwartungsgemäss wurde das Wetter hier wieder besser und so schaute ich mir das Städtchen, was auch schon des öfteren Filmkulisse war, ausgiebig an. Dann wurde mein

Zielpunkt angesteuert, einen kleinen Campingplatz bei Primenlin, der Ort  liegt zwischen Audierne (siehe Bild unten) und Plogoff. Hier verbrachte ich die letzten Tage meines Urlaubs. Auf dem Bild rechts seht Ihr einen Blick über die Baie de Douarnenez. Hier soll evtl. die versunkene Stadt Ys gelegen haben. Links im Hintergrund ist der Berg Ménez Hom. Am Tag, an dem die Aufnahme entstand, war es übrigens nicht stürmisch. Wenn man sich aber die Bäume ansieht, weiss man, warum das Haus in die Senke gebaut wurde. In dieser Gegend von Finistère war ich bisher bei jeder meiner Bretagne-

aufenthalte. Diese wilde Küste hat es mir genauso angetan, wie der Atlantik mit seinen Wellen. Bei Plogoff plante die französische Re- gierung 1976 dem Bau eines Atomkraftwerkes. Die Bevölkerung erfuhr aus der Zeitung davon und reagierten sehr wütend. Es gab Demonstrationen. Doch der Staat wollte das Projekt mit Macht durchsetzen. Die Arbeiten auf der zukünftigen Baustelle wurden durch Sabotage gestört und es gab noch grössere Demonstrationen. mit über 100.000 Anti-Atomkraftgegner. Die 1981 neu gewählte Regierung hat das Projekt dann, Gott sei Dank, gestoppt. Nun werden in dieser Gegend Windkraftwerke gebaut. Diese sind, zugegeben auch nicht der schönste Anblick, aber wohl der klügere Weg der Energiegewinnung und in ihre Handhabung unproble- matisch. Zumal, ich erinnere an die Bäume auf dem Bild oben.

Am letzten Abend sass ich wieder an der Kapelle Saint-They am Pointe de Van und schaute lange aufs Meer. Die Besucher waren schon alle weg und man war mit den Möwen völlig alleine. Es war herrlich. Es fiel mir mal wieder schwer, Abschied zu nehmen.

Am nächsten Morgen um 08.00 Uhr war Glöckchen wieder beladen und im Regen wurde die Heimreise angetreten. Mein Weg führte mich über Quimper nach Lorient und dann weiter über Rennes - Le Mans - Paris wieder Richtung Heimat. Um 21.30 Uhr erreichte ich nach 1160 km und 8 Tankstops, mein Ziel. Und komisch, ich hatte schon jetzt wieder Sehnsucht nach der Bretagne. D´UR WECH ALL BREIZH!

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