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XV 535

1988 kam die XV 535 Virago nach Europa. Auffällig bei der 178 kg schweren Maschine war die Tankattrappe und die einteilige Sitzbank. Der Tank unter der Sitzbank fasste 8,6 Liter. Die Bremstrommel war schwarz, am Auspufftopf war noch keine Chromblende und die Blenden am Zylinder waren auch noch nicht verchromt. Aber sonst sah sie schon so aus wie die heutigen Modelle. Sie hatte als offene Version 46 PS. Die Ur-Virago stammt von der ab 1984 gebauten XV 500 SE ab. Die V-Twin Geschichte begann bei Yamaha 1981 mit der TR1.

Wer eine Virago kennt weiss, dass nichts so ist wie es scheint. Der Motor, der eigentlich ein Kurzhuber ist, sieht unheimlich gross aus und Blenden verstärken noch den Eindruck. Die Auspuffanlage ist Blendwerk pur, unter den Chrom-Eiern, wo man die Luftfilter vermutet, ist zum Teil die Elektrik unter- gebracht. Weil der Tank unter der Sitzbank plaziert ist und die Vergaser höher liegen, muss eine Benzinpumpe Spritt nach oben pumpen. Übrigens hatten die Ingenieure schon 1989 ein Einsehen und die Tankattrappe wurde durch einen 4,9 Liter Zusatztank ersetzt. Unter diesem sitzt übrigens der Luftfilter. Die oft gestellte Frage ob man bei der Ur-Virago den Tank nachrüsten kann, muss leider verneint werden. Die Scheibenbremse wurde ab sofort mit Schlitzen versehen, was zu verändertem Schwingungsverhalten der Bremse bei der Betätigung führte. Oder anders ausgedrückt, sie quietscht nicht mehr. Das Bremsverhalten bei Nässe wird dadurch auch besser. Ausser der zweiteilig Sitzbank hatte die Virago nun auch eine digitale Zündanlage.

“YAMAHA XV535 Die Reise in eine andere Welt” war der Slogan, der auf dem Werbeprospekt stand, als ich 1993 zur Virago-Gemeinde stiess. Gott sei Dank nutze ich bislang das Motorrad zum Reisen in der hiesigen Welt. Wer wissen will, wie das 1993er Modell aussieht, der muss sich nur die Bilder von meinem Motorrad ansehen. Es gab damals 3 Farben zur Auswahl, GRM (Graceful Maroon), BL2 (Black2) und LGBM1 (Light Greyish Blue Metallic 1). Ab dem Baujahr 1993 verfügte die Virago auch über eine Vergaserheizung, die ein Vereisen deselben verhindert. Sonst gab es keine grossartigen Veränderungen zu den älteren Modelle.

Und hier noch einige technische Daten:                          

Ventilsteuerung= OHC

Ventile= 2 pro Zylinder 

Verdichtung= 9:1 (d.h. Normalbenzin)  

Vergaserdurchmesser= 34mm   

Leistung Lichtmaschine= 280W

Zündung= kontaktlos

Batterie= 12V -12 Ah

1994 war dann die Stunde der S-Version. Dieses Sondermodell war zweifarbig lackiert. Die Seitendeckel des Motorblocks, Deckel am Vergaser, Ventildeckel und die Hupe waren verchromt und die Sitzbank mit Noppen versehen. Ferner war das Tankemblem erstmals dreidimensional mit der Beschriftung Virago versehen. Dadurch war sie aber auch 270 EURO teurer als die Normalversion. Yamaha stand fortan auf den Seitendeckel.

1997 musste dann die Leistung von 46 auf 44 PS zurückgenommen werden, um die Grenzwerte für Abgas- und Geräuschentwicklung einhalten zu können. Der Schalldämpder wurde vergrössert und der Ansaugkasten bekam einen Resonator. Die Spiegel waren nun rechteckig und die Befestigung der Chrom-Eier wurde verändert. Und so wird die Virago weiterhin immer nur sehr langsam verändert. 1998 löste dann die XV 535 DX die Standardversion und das Sondermodell ab. Die Fahrwerksdaten wie Lenkkopf- winkel, Vor- und Nachlauf, Federwege, Getriebeabstufung sind aber noch immer wie bei der Ur-Virago. .

Links das Normal-Modell von 1995. Es gab hier Veränderungen an der Vorderradbremse. Die Bremsscheibe hatte keine Schlitze mehr, sondern Löcher. Wichtiger war aber, dass die Maschine eine Doppel-Kolben- Schwimmsattelzange bekam. Ein zweiter Bowdenzug sorgte ab sofort für den Rückholmechanismus an der Vergaser-Drossel-Klappe. Das Sondermodell hatte noch einen 400 mm langen verchromten Seitenständer..

In der Zeitschrift MOTORRAD Heft 8 (28.03.2002) war zu lesen, dass die Virago XV 535 mit 51621 Stück das meistgekaufte Motorrad in Deutschland ist. Ich kann es verstehen. Und im Sonderheft “100 Gebrauchthits” der Zeitschrift MOPPED war unter der Virago nachzulesen: Der XV-Motor kennt keine modelltypischen Schäden und die Mechanik ist für mindestens 50000 km gut. Die Leistungsentfaltung ist harmonisch, ohne Höhepunkte, aber auch ohne Einbrüche.

Meine persönliche Erfahrung bestätigt dies. Nur die Originalstoßdämpfer hinten taugen nicht viel. Diese hatte ich recht schnell gegen ein paar KONIS gewechselt. Aber auch härtere progressive Gabelfedern wirkten sich günstig auf das Fahrverhalten aus. Was die Soziussitzbank angeht, so ist sie höchstens als Notsitz anzusehen und sollte wirklich niemanden zugemutet werden. Um so schöner sitzt man vorne, erst recht, wenn man die Fussrasten vorverlegt hat. Wenn ich auch einige kenne, die bei der XV 535 die Nase rümpfen und sie als “kleine Huddel” bezeichnen, in Virago steckt aber jede Menge Motorrad. Der Vorteil der Maschine besteht darin, dass man mit ihr mal schnell in die Stadt zum Einkaufen fahren und weil sie sehr leicht ist, problemlos in jede Ecke geschoben werden kann. Die Virago hat eine höhere Zuladung als so manches “Dickschiff” was bei Urlaubsfahrten von Vorteil ist. (Erlaubte Zuladung: XV535=219kg/ BMW R1150 RT=216kg/ HARLEY E-CLIDE=225kg (na gut, aktzeptiert. Die hat aber auch 1449 ccm und 67PS)/ KAWA VN1500 CL=179kg/ MOTO GUZZI CARLIFORNIA= 210kg und mal zum Vergleich  eine aus der 50PS Klasse: BMW F650 CS=183kg)

Die Virago ist vom Fahrverhalten sehr gutmütig und fährt ohne Kraftanstrengung willig in jede Kurve. Bei sportlicher Fahrweise muss man natürlich Abstriche machen. Sie ist nun mal kein Sportler und die Sitzposition zum heizen nicht geeignet. Zum flott fahren langt es aber allemal. Und wenn man entspannt durch die Gegend fährt und es sich gut gehen lässt, dann ist auch die Virago in ihrem Element.

Und auch das gab es, die XV 535 als Trike. Die Schweizer Firma Rüegg baute die XV als Basis zum Trike um. Sie hatte die Bezeichnung RXV 535 und kostete 22800 SFr. Hinten wurde sie übrigens hydraulisch mit Trommebremsen gebremst. Es gab noch eine mechanische Feststellbremse.

TECHNISCHE DATEN

Länge: 2300 cm

Breite: 1495 cm

Gewicht: 318 kg

Anhängelast: 150 kg ungebremst / 300 kg gebremst

Höchstgeschwindigkeit: k.A.

2003 wurde in Deutschland das Ende der XV 535 eingeläutet und das Model das letzte Jahr verkauft. Finde ich persönlich schade. Ich denke ohnehin, dass die Maschine von vielen unterschätzt wird. Um meine 1993er Virago noch möglichst lange betreiben zu können, habe ich mir das Modell (dasselbe Baujahr und dieselbe Farbe) nochmals gebraucht zugelegt. Wenn die Ersatzteile einmal knapp werden, wird sie ausgeschlachtet. Glöckchen soll einmal ein Oldtimer werden und mich noch möglichst lange begleiten. 

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